Die Entstehungsgeschichte von SUZUKI
Jahrhunderte lang mied Japan die Begegnung mit dem Westen. 1854 tauchten amerikanische Panzerkreuzer vor Tokio auf und weckten die mittelalterliche Feudalgesellschaft höchst unsanft. Die Japaner machten das Beste daraus. Die übermächtige Adelsclique zog sich dezent zurück und verlegte sich darauf möglichst viel von den siegreichen Eindringlingen zu lernen. Wie ein Schwamm saugte Japan die Errungenschaften des Westens auf und holte in vierzig Jahren nach wofür Europa vierhundert Jahre gebraucht hatte!
Michio SUZUKI wurde am 10 Februar 1887
unweit von Hamamatsu, südwestlich von Tokio, geboren. SUZUKI sammelte, mit
seinen noch nicht mal 30 Jahren führender Chef einer Webstuhlfirma mit 60
Angestellten, inzwischen schon erste Erfahrungen mit der Metallbearbeitung. Mit
Textilien war damals eine Menge Geld zu machen und SUZUKI war einer derjenigen,
die die 4500 Spinnereien mit mechanischen Webstühlen versorgten. SUZUKI
expandierte und benötigte dafür allerdings Kapital. 1920 folgte der logische
Gang zur Börse.


Bis zum Zweiten Weltkrieg ist die Geschichte von SUZUKI mehr oder minder
diejenige seiner ständig verbesserten Webstühle oder zumindest beinahe: SUZUKI
erstand um 1936 einen britischen "Austin Seven". Er und sein Techniker zerlegten
ihn und bauten ihren eigenen Wagen, der im Herbst 1937 fertiggestellt wurde.
Bis 1939 bauten SUZUKI und sein Chefingenieur Nagi Ishikawa verschiedene
Prototypen. Bereits im September 1937 mussten Teile der Webstuhlfertigung auf
Kriegsposition umgestellt werden, drei Monate später lieferte Hamamatsu Munition
für die Kaiserliche Armee. 1938 kamen vom Militär mehr Aufträge. SUZUKI
errichtete das Werk "Takatsuka" welches 1939 nach dem Kriegerischen Spuk in
Trümmern lag. Kurz nach der Kapitulation wurde diversifiziert, da zu jener Zeit
kein Geschäft mit Webstühlen zu machen war; man brauchte und produzierte was
gerade anlag: Heizlüfter, Landwirtschaftsmaschinen usw. Im Hamamatsu des Jahres
1946 lebte ein gewisser Soichiro Honda. Während einer 1 jährigen Pause begann er
Fahrräder mit umgebauten Stationärgeräten aus Heeresbeständen zu bestücken. Als
die Vorräte aufgebraucht waren, verkaufte er seine Eigenkonstruktion, die mit
einem Ersatzbenzin auf Harzbasis lief. Honda hatte keine Probleme mit den
Gewerkschaften, SUZUKI hingegen wurde 1950 monatelang lahmgelegt. Der Aufschwung
und eine Beruhigung der Lage stellte sich mit dem Korea-Krieg ein. Der
Wirtschaftsmotor sprang wieder an. Die Produktionsziffern erreichten ungeahnte
Höhen. Fünf Jahre nach Japans Stunde Null wies die Produktionsstatistik 43089
Motorräder aus. Davon allerdings waren 35 500 Lastendreiräder und 5000 Roller.


Hamamatsu nahm nun nicht nur Web-, sondern auch Feuerstühle in Angriff. Im
November 1951 rollte das Vorkriegs - Kleinstmotörchen zurück ins Leben. Es hatte
das absolut kleinste Triebwerk das damals in Japan produziert wurde. 1952 war
der Motor serienreif und wurde bis Jahresende bis rund 10 000 mal verkauft. Im
Mai 1954 wurde die Modellreihe um die 90 Kubikzentimeter große Colleda CO
erweitert. Sie war das Erste richtige Motorrad der Marke und zugleich das erste
mit hydraulischer Bremse. Zu jener Zeit hatte man die Fertigung von
Textilmaschinen stark zurück gefahren und firmierte als "SUZUKI Motor CO Ltd." .
1955 stieß SUZUKI dann mit der Colleda COX in dreistellige Hubraumregionen vor.
SUZUKI bot 1956 für seine inzwischen auf vier Modelle angewachsene Palette zwei
grundsätzlich verschiedene Triebwerke an. Von den verschiedenen Colleda
Varianten wurden in den nächsten 6 Jahren rund 100 000 Einheiten abgesetzt. 1957
wurde der Erweiterungsbau eingeweiht.

Von den Stückzahlen und Produktionsanlagen her war der Familienbetrieb nach
"Honda" die unbestrittene Nummer Zwei unter den japanischen Herstellern. Im
Februar 1957 zog sich Michio SUZUKI zu seinen siebzigsten Geburtstag zurück vom
Tagesgeschäft, nachdem er noch seinen ersten PKW angeschoben hatte. 1958 wurde
das Modellprogramm gestrafft. Im Programm blieben neben der 125er Colleda ST II,
das SUZUKI - Moped und die TP 250, eine weiterentwickelte TT. Erstmals trat, zu
dieser Zeit, der typische Scheinwerfer mit seinen Hufeisenförmigen Gehäuse in
Erscheinung. Unter den SUZUKI Neuheiten 1960 sticht besonders die Selped MA
heraus, sie bildete die Grundlage für die 50- Kubik- Rennmaschinen. Auch das
SUZUKI "S" erschien zum ersten mal und nun konsequent am Tank. Nach 1955 ging es
mit der Motorradwirtschaft abwärts. 1951 hatte es noch 39 Marken in Deutschland
gegeben, 1959 produzierten nur noch 18 und 1960 nur noch 8 Motorradfirmen.


1959 wurde auf internationaler Ebene beschlossen, das eine Maschine mit 50 Kubik
nicht als Motorrad anzusehen sei und daher Steuerbefreiung genießen sollte. Ganz
Europa machte mit - nur das vereinigte Königreich nicht, das deswegen auch keine
Leichtgewichte auf die Räder stellte und weiterhin auf Singles und Twins setzte.
Als dann die japanische Exportoffensive anlief und in anderen Hubraumklassen das
große Geschäft machte, war niemand da der etwas hätte dagegen unternehmen
können. Der wichtigste Exportmarkt der Welt, die USA, fiel den japanischen
Herstellern kampflos in die Hände.
1962 tauchten nun erstmals die ersten SUZUKI´s in amerikanischen Zeitschriften
auf. 1963 wurde schließlich die "US SUZUKI Corporation " gegründet mit Sitz in
Los Angeles, die erste Auslandstochter der Firma. Erster Kaufmännischer Direktor
von SUZUKI Amerika wurde Jack McCormack, er pumpte Unsummen in die Werbung und
binnen zweier Jahre steigerte sich der Werbeetat von 150 000 auf über 1
Millionen Dollar und hatte Erfolg.


1965 wurden gerade mal 600 SUZUKI exportiert, nun wurden 32 000 Einheiten
verschifft. 1966 wurde die SUZUKI Palette drastisch erweitert. Noch im gleichen
Jahr verließen 54 000 Einheiten die japanische Heimat. Auch sportlich ereignete
sich in den 60ern eine ganze Menge, mit Mitsuo Itoh gewann 1962 auf der "Isle of
Man " erstmals ein Japaner die 50er TT. In allen Werken arbeiteten zusammen ca.
3000 SUZUKI - Werker.
Die wichtigste Neuerscheinung im 65er Programm stellte die legendäre T20 dar,
eine Entwicklung von Masanao Shimizu. 1965 wurde die Produktionspalette um
Außenbordmotoren ergänzt.


1967 ging Iwaka in Betrieb, eine weitere Produktionsstätte für das kräftig
anwachsende Automobilprogramm. Inzwischen baute man ebenso leidenschaftlich, wie
man Motorräder fertigte, auch Automobile - und eben so erfolgreich. SUZUKI hatte
die größten Marktanteile in der japanischen Kleinwagenklasse. Der Autoexport
begann 1980 unter der Ägide von Osamu SUZUKI, Firmenboss seit 1978. Heute sind
in den beiden japanischen Motorradwerken rund 2400 SUZUKI-Werker beschäftigt, im
Autobau dagegen über 4000. SUZUKI engagierte sich nach dem Rückzug vom
Grand-Prix-Sport seit 1968 verstärkt im Motorcross - Bereich, bis zu dem Rückzug
aus dem Geländesport 1985 errang SUZUKI 21 Siege und stellte 17 Weltmeister.
1974 war das absolute Boomjahr. 4,5 Millionen motorisierte Zweiräder verließen
die Werkshallen, fast 20% mehr als 1973.


1976 wurde die GS- Baureihe auf das Band gelegt. Die 2 Takter verschwanden aus
dem Programm, lediglich im Rennsport und im Motor - Cross vertraute man
weiterhin auf diese Antriebsart. Die Basis der SUZUKI-Entwicklung bildete die GS
650 E. Besondere Beachtung allerdings verdient und deswegen sei hier noch einmal
darauf hingewiesen, das Jahr 1984 und das nicht nur, weil SUZUKI in Deutschland,
Neuseeland und Frankreich eigene Tochtergesellschaften gründete : Auf der
Internationalen Fahrrad und Motorradausstellung in Köln stand mit der GSX-R 750
das wichtigste Motorrad der Neuzeit. Sie begründete eine völlig neue Ära im bau
von Sportlichen Straßenmotorrädern, das mit dem Slogan: "VON DER RENNSTRECKE AUF
DIE STRAßE !" wohl am treffendsten beschreiben ist.
Bis heute ist SUZUKI diesem Motto treu geblieben!